Warenkunde Melonen

Als Ursprung der Wildformen gilt in Afrika die Gegend um den heutigen Sudan als gesichert. Melonen werden seit mehr als 4.000 Jahren angebaut. Über Ägypten und die Ägäis kamen sie zu den Römern. Der Ort Cantalupo nahe Rom wird als das Ursprungszentrum des gärtnerischen Melonenanbaus bezeichnet. Melonen bevorzugen mildes bis subtropisches Klima. Der Anbau im Sommer im Freien und im Frühjahr und Herbst unter Folientunnel macht in Spanien heute einen beinahe ganzjährigen Anbau möglich.

Botanisch zählen Melonen (Verwandte der Gurke) zu den Gemüsen, werden jedoch in den meisten Ländern agrarstatistisch und nach allgemeinem Verständnis als Obst geführt. Man unterscheidet zehn Hauptgruppen. Die wichtigsten sind:

Im Handel sind nur von Bedeutung (wobei nach deutschen Sprachgebrauch alle drei Gruppen ohne Differenzierung sowohl als Zucker- als auch als Honigmelonen bezeichnet werden):

Alle Typen lassen sich leicht untereinander kreuzen, so dass eine klare Einteilung nicht immer möglich ist. In bescheidenem Rahmen werden auch Ananas- und Schlangenmelonen gehandelt.

Melonen zählen zu den klimakterischen Früchten. Sie dürfen erst dann geerntet werden, wenn sie genügend entwickelt sind. Nur solche Früchte reifen (bei Temperaturen über 15° C) nach der Ernte noch nach. Unterentwickelten Melonen bleibt jedoch die Umwandlung von Stärke in Zucker nach der Ernte verwehrt. Den richtigen Reifezeitpunkt zu ermitteln, fällt bei einigen Sorten nicht leicht, da der Umschlag der Schalenfarbe nicht unbedingt mit der inneren Reife korreliert. Die Reife lässt sich meist nur über den Zuckergehalt des Fruchtfleisches bestimmen. Der Brix-Wert sollte - in Abhängigkeit von Sorte und Typ - mindestens zwischen 10° (Charentäis) und 14° (Galia und "Gelbe") liegen. Die Reife lässt sich bei vielen, aber leider nicht allen Sorten am typischen Melonenduft, der Loslösung des Stiels und einer gewissen Rissigkeit um den Stielansatz ("Zuckerrisse") herum erkennen. Überreife Melonen schmecken gärig und sind daher nicht verkehrsfähig.

Melonen dürfen nur früh morgens geerntet werden. Dann ist der Prallheitsgrad am höchsten. Liegt die Kerntemperatur höher, so ist ein sanftes Herabkühlen auf 10° C, das ist auch die ideale Lager- und Transporttemperatur, erforderlich. Wie üblich gilt, je unreifer und niedriger der Zuckergehalt, desto höher sollte die Temperatur sein. Bei unreifen Früchten treten Kälteschäden schon bei weniger als 15° C auf, hochreife Früchte können auch schon einmal für kurze Zeit Werten zwischen 7° und 10° C ausgesetzt werden. Nur kurz vor dem Verzehr darf man Melonen für längstens 30 Minuten Temperaturen von 4° C aussetzen. Werden Melonen bei zu niedrigen Temperaturen gelagert treten Kälteschäden auf. Das Fruchtfleisch wird glasig und verfärbt sich später dunkel. Der Geschmack ist irreparabel geschädigt.

Die meisten Sorten verströmen Ethylen, wenn sie reif sind; daher nicht zusammen mit ethylenempfindlichen Warenarten lagern bzw. über größere Distanzen transportieren. Andererseits können bestimmte Typen auch in Reifekammern unter Zugabe von Ethylen "gereift" werden.

Zur Vermeidung von Druckstellen sind reife Ware und druckempfindliche Sorten so zu verpacken, dass keine Transportschäden auftreten können.

Bei der Eingangskontrolle steht die Kontrolle der genügenden Reife an oberster Stelle. Ist ein Brix-Wert ausgelobt oder ist ein Mindestbrixwert kontraktiert, so ist dieser an augenscheinlich unreifen Früchten der Partie zu überprüfen, da auch diese den Mindest-Brixwert aufweisen müssen.

Die Schale reifer Früchte gibt unter Daumendruck leicht nach. Überreife Früchte weisen oft Risse auf, die bis ins Fruchtfleisch reichen. Solche Ware und Früchte mit Fäulnisstellen oder größeren Alternaria- oder Anthracnoseflecken sind nicht verkehrsfähig und daher zurückzuweisen. Die Klasse II der EG-Vermarktungsnorm lässt Schalenfehler (nicht zu verwechseln mit der sortentypischen netzartigen Berostung!) bis 1/8 der Oberfläche, stärkere Druckstellen, Kratzer und tiefere Risse zu. Dies gilt aber stets unter der Voraussetzung, dass das Fruchtfleisch nicht geschädigt ist.


Stand: 18.06.2001 © Wilfried Staub