(Anwendung in der EU nicht zulässig)
Im Jahre 1963 haben die Welt-Ernährungsorganisation FAO und die Welt-Gesundheitsorganisation WHO der Vereinten Nationen eine gemeinsame Kommission ins Leben gerufen, um internationale Standards für Lebensmittel in Gestalt eines umfassenden Normenkatalogs, des sogenannten Codex Alimentarius, festzulegen.
Die Codex-Alimentarius-Kommission, die ihren Sitz in Rom hat, stellt inzwischen eine Vielzahl von Normvorschlägen und Definitionen in bezug auf Lebensmittel ("CODEX STAN") zur Verfügung. Daneben bemüht sie sich um die Festlegung von Grundsätzen der Hygieneanwendung im Lebensmittelbereich sowie um die Schaffung der Grundlagen für eine nachhaltige Landwirtschaft ("sustainable agriculture").
Neben einer großen Anzahl von Normen für verarbeitete Lebensmittel (Milchprodukte, Konserven etc.) existiert auch eine Reihe von Codex-Normen für frisches Obst, insbesondere für tropische Früchte:
Die Codex-Normen ähneln im Layout den Normen der UN/ECE und damit auch den EG-Vermarktungsnormen für Obst und Gemüse; zugleich erfassen sie aber noch weitere Kriterien, etwa die zulässigen Höchstgehalte an Schwermetallen und Pestiziden sowie Verweise auf Hygieneanforderungen.
Da es sich bei den Codex-Alimentarius-Normen, ähnlich wie die UN/ECE-Normen, lediglich um rechtlich unverbindliche Regelungsvorschläge handelt, dürfen diese Normen und die darin enthaltenen Klassifizierungen innerhalb der Europäischen Gemeinschaft nicht im Rahmen der Produktkennzeichnung verwendet werden.
Andererseits können die Codex-Normen für tropische Früchte, die wegen ihrer vergleichsweise geringen Marktbedeutung in der EU und wegen fehlender Eigenproduktion nicht durch EG-Vermarktungsnormen geregelt sind, in der Praxis eine gute Grundlage bieten, um beim Import derartiger Erzeugnisse die Anforderungen an Ware "mittlerer Art und Güte" zu definieren.
Bei Überseegeschäften kann es sich daher anbieten, durch einzelvertragliche Vereinbarung die Anforderungen der Codex-Alimentarius-Normen als verbindlich heranzuziehen, um das Geschäft auf eine für beide Seiten faire und nachvollziehbare Basis zu stellen.